Durch Musik entdecken wir die Welt. Menschen verschiedener Nationen fangen an, sich zuzuhören. Sie teilen Ihre Gefühle (mit). All dies ist ein Geschenk der Musik, die uns über die Kilometer und Meilen hinweg ungeachtet der unterschiedlichen kulturellen und wirtschaftlichen Situationen der Einzelnen tief miteinander verbindet.
Es scheint, als sei das musikalische Herz unseres Planeten nun in der Lage, sich direkter an die Menschen der Welt wenden zu können, direkt von Afrika nach Europa, Asien, Nord- und
Südamerika. Und die Bewohner des Planeten scheinen bereit zu sein, diesem neuen/alten Beat zuzuhören, ihn aufzunehmen und teilzuhaben. Die Menschheit findet immer mehr zu ihrer planetaren Identität, ihren gemeinsamen Wurzeln. Wie eine große Woge umspült Musik die Ohren rund um den Erdball, überspringt Sprachbarrieren und geographische Vorurteile. 1)
Unser Reichtum erlaubt es uns, zu selektieren: aus dem Angebot der Medien, der Plattenläden oder Veranstaltungskalender. Die Länder der sog. Dritten Welt haben diese
Auswahlmöglichkeiten nicht, doch sie blicken auf ein reiches kulturelles Erbe zurück, das heute an die Gegebenheiten moderner Produktionstechnologien adaptiert wird. Während uns früher mehr die Ergebnisse musikethnologischer Feldaufnahmen erreichten, die so originalgetreu, wie die Dogmatiker der reinen und unverfälschten Folklore es uns weismachen wollten, gar nicht waren, bekommen wir heute immer mehr Mischformen traditionellen Materials zu Gehör. 2)
Das Erdenklang Label hat sich in seiner mehr als 25 jährigen Geschichte ganz bewusst diesem Dialog mit den Kulturen gestellt. Denn es ist die spirituelle Kraft des Ursprünglichen und Authentischen in Verbindung mit den modernen Produktions- und Musikformen des hochentwickelten „Westens“, die die Faszination einer „Weltmusik“ ausmacht. Die Einbeziehung elektronischer Mittel war deshalb schon bei den frühen Aufnahmen mit der Gruppe Tri Atma so selbstverständlich wie später bei den aus ihren Feldforschungen stammenden Lieder der ungarischen Sängerin Irén Lovàsz oder bei den archaischen und teilweise schamanistischen estnischen sowie finno-ugrischen Gesängen Kirile Loos und ebenso bei den Transkriptionen aus dem Mittelalter des Ensembles VOX. Der „Erdenklang“ – ein großes „ripp off“?! Na klar! Alle Künstler sind Kolonialisten und sollen es auch sein. In den entferntesten Gebieten unseres Planeten ist man heute in der Lage, sich über alle kulturellen Strömungen zu informieren. Aber das Filtern dieser Informationen macht die Persönlichkeit und Aura des Musikers und Komponisten aus.
Und dieser Prozess funktioniert in allen Richtungen. Machen wir uns mit dem „Erdenklang“ auf die Reise zum Schmelztiegel der Musikkulturen, zum „Melting Pot“! 3)
(Ulrich Rützel)
1) Paul Williams
2) Jean Trouillet
3) auszugsweise Jean Trouillet
Entnommen dem Buch „WeltBeat“,
Das JA-Buch für Globe-HörerInnen
Der grüne Zweig 132
Hrsg. von Jean Trouillet und Werner Pieper
Verlegt von Werner Pieper’s Medienexperimente
ISBN 3-925817-32-8